27.12.2012

Rendite auf Rädern

München. Thomas Schiller hat es ausprobiert. Vor zwei Jahren hat er sich einen knapp 40 Jahre alten Mercedes 250S zugelegt – für rund 12 000 Euro. Heute ist der „W108er", wie ihn Liebhaber nennen, fast 15 000 Euro wert. Das klingt nach einem guten Geschäft. Ist es auch, meint Schiller. Der erste Eindruck allerdings trüge etwas: „Die reine Wertsteigerung ist beim Oldtimer nicht alles", erläutert der Betriebswirt. „Für das Fahrzeug fallen Jahr für Jahr auch laufende Kosten an." Der Fachmann des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) kennt sich aus. Das Institut hat für die Süddeutsche Zeitung mehrere Oldtimer-Modelle auf ihre Eignung für die Geldanlage untersucht.
Ergebnis: Als Ergänzung fürs Depot sind die betagten Autos durchaus eine ernsthafte Alternative. Das gilt insbesondere fürAnleger, die wie so viele derzeit einen Sachwert suchen, schwankungsanfällige Märkte wie jene für Gold oder Aktien jedoch scheuen – und nicht zwingend eine hohe Summe in eine Immobilie stecken wollen. „Je nach Oldtimer-Modell kommt man bei der Investition mit überschaubaren Geldbeträgen aus", meint Schiller. Wer allerdings sein Geld tatsächlich in einem mehr als 30 Jahre alten Auto parken will, sollte einiges beachten.

Die Wertentwicklung
Sie kann sich bei fast allen Oldtimern sehen lassen. Seit Jahren gehen die Preise hoch. Das zeigt der Deutsche Oldtimer Index (Dox), den der Branchendienst Classic Car Tax jährlich ermittelt. In den Index gehen die Preise von 88 Fahrzeugtypen aus sieben Herstellernationen ein. Seit seiner Erstauflage im Jahr 1999 hat der Dox den Dax – den Deutschen Aktienindex – deutlich hinter sich gelassen (Grafik). Grund ist vor allem die steigende Nachfrage nach den alten Autos. „Das Interesse an Oldtimern hat immens zugenommen", meint FrankWilke vonClassic CarTax. Gleichzeitig ist die Zahl gut erhaltener Oldtimer begrenzt. „Das führt zu einem stetigen Preisanstieg", meint IVFP-Experte Schiller. Wer etwa im Jahr 2000 für rund 4800 Euro einen BMW2002 erstanden hat, bekommt heute dafür 10 300 Euro. Bei einem Liebhaber-Stück wie dem Flügeltürer-Mercedes 300 SL hat sich der Preis auf 650 000 Euro fast verdreifacht. Natürlich könne der Preis bei einzelnen Modellen weniger stark steigen oder auch einmal sinken, meint Thomas Schiller. „Insgesamt dürften gut gepflegte Oldtimer aber auch künftig eher teurer werden", glaubt er.

Die Kosten
Von der Wertentwicklung allein sollten sich Käufer nicht blenden lassen.Wer sich einen Oldtimer zulegt, muss mit laufenden Kosten rechnen – vor allem für die Wartung. „Diese Kosten fallen selbst dann an, wenn der Wagen nur in der Garage steht", sagt Frank Wilke. Mindestens einmal im Jahr müssen auch solche Fahrzeuge zum Service. Besser sei es ohnehin, die historischen Fahrzeuge regelmäßig zu bewegen–am besten zwischen 3000 und 5000 Kilometer
pro Jahr. Von der Kilometerleistung hängen auch die Kosten für die Versicherung ab. Oldtimer bekommen ein sogenanntes H-Kennzeichen. Die Police dafür ist günstiger als für normale Fahrzeuge. Je nach Wert des Autos zahlt man aber immer noch zwischen 150 Euro und mehreren tausend Euro jährlich. „Wer den Wagen nicht fährt, kann ihn auch als Kunstgegenstand versichern", erläutert Thomas Schiller. Dann wird die Police günstiger. Beim Mercedes 300 SL macht das 20 Prozent aus.

Die Rendite
Die Kosten fürWartung und Versicherung nagen an der Rendite. Etwa beim BMW 2002: Dessen Preis hat sich seit 2000 zwar mehr als verdoppelt. Wegen der laufenden Kosten jedoch erreicht die jährliche Rendite im Schnitt kaum zwei Prozent. Nichts desto trotz können sich die Erträge der Fahrzeuge durchaus sehen lassen – in der Regel um so mehr, je teurer der Wagen ist. Besitzer eines Porsche 911S etwa erzielten mehr als acht Prozent pro Jahr. „Bei teureren Fahrzeugen fallen die laufenden Kosten wegen de shohen Werts weniger ins Gewicht", erläutert Thomas Schiller. Was die Oldtimer-Rendite zusätzlich hebt: Nach einem Jahr sind Gewinne aus der Veräußerung der Fahrzeuge steuerfrei. Bei Aktien etwa fällt dagegen die Abgeltungssteuer von 25 Prozent an. Wer sein Geld daher in
ein Indexpapier auf den Deutschen Aktienindex steckte, kam 2012 nach fünf Jahren auf eine durchschnittliche Rendite nach Steuern von 7,3 Prozent. Nach zwölf Jahren waren es nur 1,1 Prozent. Grund ist der hohe Stand des Dax im Jahr 2000. „Die starken Schwankungen, die an den Aktienmärkten üblich sind, gibt es auf dem Markt für Oldtimer kaum", meint Thomas Schiller. Die nostalgischen Fahrzeuge lieferten zwar oft keine riesigen, dafür aber konstante Renditen.

Der Kauf
Wer sich einen Oldtimer zulegt, sollte vor allem darauf achten, dass das Fahrzeug in sehr gepflegtem Zustand ist – und es auch bleibt. „Nur so ist man bei der Wertentwicklung auf der sicheren Seite", meint Frank Wilke. Grundsätzlich empfiehlt es sich, beim Kauf einen spezialisierten Sachverständigen zur Rate zu ziehen. Für dessen Gutachten müssen Käufer zwischen 200 und 400 Euro rechnen. Eine Sachverständigen-Suche nach Postleitzahlen findet sich auf www.classic-car-tax.de. Dort kann man sich auch über die Marktpreise einzelner Fahrzeuge informieren. Ein Wertgutachten für das Fahrzeug ist auch dann sinnvoll, wenn man denWagen später verkauft, meint Thomas Schiller. „Das kann sehr hilfreich sein, wenn es darum geht, die erwartete RenditeamEnde auch zu realisieren", meint Thomas Schiller. Mit dem Verkauf freilich haben es viele Oldtimer-Besitzer oft gar nicht so eilig. Auch Schiller selbst mag daran im Moment noch nicht denken. „Dazu macht mir das Fahren mit demWagen viel zu viel Spaß."

Quelle: JAL, Süddeutsche Zeitung vom 27.Dezember 2012


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