06.03.2015

"Die Förderung nicht entgehen lassen"

Interview

Trotz aller Unkenrufe sind mit Riester-Produkten durchaus interessante Renditen zu erzielen, meint Frank Nobis, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IFVP). In Zeiten niedriger Zinsen lockt eine vergleichsweise üppige "Förderrendite".

boerse.ARD.de: Herr Nobis, wirkt sich die Dauerniedrigzins-Phase auch auf Riester-Sparprodukte aus?

Frank Nobis: Grundsätzlich gibt es natürlich einen Effekt auf die Renditen bei Riester-Produkten. Je nach der Ausgestaltung des Produktes fällt er allerdings unterschiedlich aus.

boerse.ARD.de: Fangen wir mit den Riester-Versicherungsverträgen an.

Nobis: Hier setzt ein Rückgang der Verzinsung für die Riester-Kunden mit einer gewissen Verzögerung ein. Aktuell beträgt die laufende Verzinsung aus Garantiezins und Überschussbeteiligung im Deckungsstock der Versicherungsunternehmen im Durchschnitt noch etwa 3,4 Prozent. Das liegt allerdings daran, dass hier noch viele "ältere" Anlagen mit besserer Verzinsung liegen.

boerse.ARD.de: Das heißt, ein weiteres Abschmelzen der Erträge steht für die Kunden – auch von Riester-Versicherungen – bevor, sollte die Niedrigstzins-Phase andauern?

Nobis: Sollte das geschehen, also zum Beispiel für weitere zehn Jahre, dann würde das sicher zu Problemen für die Unternehmen führen.

boerse.ARD.de: Sind Fondssparpläne ein Ausweg aus der Zinsfalle?

Nobis: Zunächst einmal sind etwa Aktienanlagen naturgemäß nicht von den Niedrigzinsen betroffen. Allerdings muss man sich als Riester-Kunde klarmachen, dass jeder Riester-Sparer eine Beitragsgarantie genießt, das heißt, sämtliche eingezahlten Beiträge und Zulagen müssen bei Rentenbeginn zur Verfügung stehen. Um dies zu realisieren, müssen auch Fondsgesellschaften je nach Laufzeit des Vertrages Teile des Geldes in sichere Anlagen parken. Die sind heutzutage aber nur zu sehr niedrigen Zinsen zu bekommen. Bei Fondssparplänen hat man aber zumindest die Chance, über einen Aktienanteil eine höhere Rendite zu erzielen.

boerse.ARD.de: Riester-Banksparpläne richten ihre Verzinsung ganz direkt an dem allgemeinen Zinsniveau aus.

Nobis: Genau, und daher sind die Zinsen hier auch fast schon auf null gefallen. Wir empfehlen Riester-Banksparpläne nur für Sparer, die die staatliche Förderung noch mitnehmen wollen und nur wenige Jahre vor dem Rentenantritt stehen.

boerse.ARD.de: Kann man Riester-Produkte angesichts der schlechteren Renditechancen denn überhaupt noch empfehlen?

Nobis: Allerdings. Unser Credo ist: Solange der Staat über die Zentralbanken das Zinsniveau auf diesem niedrigen Stand hält, muss man den Staat an seiner Altersvorsorge unbedingt beteiligen. Das hat mit der so genannten "Förderrendite" zu tun. Die Gesamtrendite setzt sich bei Riester aus der Zinsrendite und der Förderrendite zusammen. Diese Förderrendite ist im Gegensatz zur Zinsrendite bei Riester weiterhin attraktiv. Für einen Durchschnittsverdiener mit einem Kind etwa sind insgesamt Renditen von rund vier Prozent pro Jahr mit Riester weiterhin zu holen. Der Anteil der staatlichen Förderung an der Gesamtrendite ist seit dem Start der Riester-Rente dramatisch gestiegen und liegt inzwischen bei bis zu 85 Prozent. Als Vorsorgesparer sollte man sich das nicht entgehen lassen.

Das Gespräch führte Andreas Braun.

Quelle: boerse.ARD.de vom 6. März 2015

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