21.03.2012

Riester-Rente: Einfach Zugreifen

Entgegen einer aktuellen Welle von Veröffentlichungen und Stimmungsmache lohnt sich die Riester-Rente doch. Wie das geschenkte Geld die Rendite trimmt

Man könnte fast den Eindruck gewinnen, in Deutschland grassiere derzeit ein neuer Volkssport: die staatlich geförderte Riester-Rente niederzumachen. Das gilt für Amateure und Profis gleichermaßen. Den unrühmlichen Anfang der jüngsten Welle machte eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Dort kamen die Autoren zu dem Schluss: „Riestern ist oft nicht besser, als das Geld in den Sparstrumpf zu stecken."
Seitdem scheint die Riester-Rente von allen Seiten zum Dauerbeschuss freigegeben.
Manche „Experten" und Medien überbieten sich förmlich mit Schlagzeilen, dass eine Riester-Rente Wertvernichtung sei und warnen vor dem Abschluss. Viele Sparer sind deshalb zunehmende verunsichert oder stimmen in die unqualifizierten Angriffe mit ein.
Natürlich gibt es etliche sympathische Probleme bei der Riester-Rente. So kommt etwa die Förderung dem Staat teuer zu stehen, und so mancher Anbieter stopft sich die Taschen voll. Aber: Entscheidend für den Sparer ist doch, was er für sein selbst aufgewendetes Geld später aus dem Vertrag für eine Rente erhält. Er muss sich also die ganz persönliche Frage stellen: Lohnt sich die Riester-Rente für mich oder nicht?
Richtig rechnen: „Die in der DIW-Studie berechneten Renditewerte basieren auf einem schwerwiegenden Fehler", kritisiert denn auch Michael Hauer, Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung. „So wird die Rendite der Riester-Rente nicht auf Basis der Beiträge berechnet, die der Verbraucher tatsächlich aus eigener Tasche leistet (Nettobeiträge), sondern anhand des Gesamtbeitrags, also inklusive staatlicher Zulagen (Bruttobeiträge). Dieses Berechnungsverfahren ist weder finanzmathematisch noch aus Kundensicht korrekt."
Denn die staatlichen Zuschüsse sind enorm. Nicht nur dass für jeden Riester-Sparer über die Zulagen für ihn und gegebenenfalls seine Kinder bares Geld direkt in den Vertrag eingezahlt wird. Darüber hinaus ist auch der Fiskus spendabel und gewährt umfangreiche Steuervorteile. So sind Förderquoten von bis zu 50 Prozent keine Seltenheit, im Einzelfall gehen sie sogar darüber hinaus. Im Klartext: Dann kommt mehr als die Hälfte der Beiträge aus dem Staatssäckel. Und das zahlt sich aus. Berücksichtigt man nämlich diese Fördermittel und berechnet richtigerweise die Nettorendite des Sparers, dann zeigt sich, dass die Riester-Rente erheblich besser ist als ihr bisheriger Ruf. Und dass sie sich vor allem für eigentlich jeden lohnt.
So lesen Sie die Tabellen: Um dies zu verdeutlichen, hat das Institut für Vorsorge und Finanzplanung exklusiv für Focus-Money verschiedene Konstellationen durchgerechnet: Familien mit Kindern, Ehepaar ohne Kinder, Alleinerziehende, Singles, Junge und Ältere, Gering- und Besserverdiener (s. Tabellen S. 72 und 74). In allen Fällen werden stets die Nettorenditen von Riester-Policen, privaten Rentenversicherungen und Investmentfonds verglichen. Als Grundlage dient der gleiche monatliche Nettobeitrag des Sparers. Die Bruttobeiträge der Riester-Verträge sind zwar höher, aber die Differenz zahlt ja der Staat, sei es über Zulagen, oder ergänzend über die Steuervorteile. Die angenommenen Wertsteigerungen über die Kapitalanlagen, in die die Kundengelder investiert werden sind bei allen gleich und basieren auf realen Durchschnittswerten. Bei den sicherheitsorientierten klassischen Policen sind das 4,3 Prozent und bei den etwas chancenorientierteren Fondspolicen sechs Prozent. Zur Vergleichbarkeit wurde auch die erste Spalte der Investmentfonds mit diesen Werten gerechnet. Wohlgemerkt, die Erträge gelten stets noch vor Kosten und Steuern. Für die davon abgehenden Verwaltungskosten der Policen wurden reale Durchschnittswerte laut Branchenverband GDV unterstellt. Die Policen dürfen aber steuerfrei ansparen. Bei den Fonds sind dagegen Agio und die jährlich anfallenden Abgeltungssteuer zu berücksichtigen. Dazu wurde eine Dividendenrendite der Fonds von zwei Prozent jährlich angenommen, auf die die Steuer fällig wird.
Eindeutiger Vorteil. Die in den Tabellen farblich hervorgehobenen Ergebnisse der Berechnung zeigen eindeutig: Die Riester-Rente bringt in alle vergleichbaren Fällen die deutlich bessere Nettorendite. Bei Privatrenten und Investmentfonds müssen Sparer dagegen mit bis zu einem Prozentpunkt geringeren Renditen rechnen – und somit auch mit niedrigeren Rentenzahlungen. Wichtig: bei dem Ergebnis sind jetzt alle Kosten sowie die bei Riester volle Steuerpflicht der Rentenzahlungen bereits berücksichtigt. Zudem zahlen die Versicherungen die Rente lebenslang. Bei den Fondslösungen mit Kapitalverzehr ist das Geld dagegen nach Erreichen des durchschnittlichen statistischen Lebensalters aufgebraucht. Die rechte Seite der Investmentfonds zeigt in den Beispielszenarien nun, um wie viel höher die jährliche Wertentwicklung der Kapitalanlagen sein muss, damit die gleiche Nettorendite wie bei den Riester-Policen erwirtschaftet werden kann. Ergebnis: „Mit einem klassischen Riester-Vertrag erzielt der Verbraucher aufgrund der staatlichen Förderung eine Rendite, die bei den Aktienfonds um ca. 1,3 bis 1,9 Prozentpunkte jährlich höher liegen muss, um den gleichen Effekt zu erzielen", sagt Instituts-Chef Michael Hauer. Für die Renditen der Riester-Fondspolicen müsste der reine Fondssparplan sogar teils über zwei Prozentpunkte mehr jährlichen Ertrag bringen.
Klares Fazit: „Riester ist eine sehr gute Basis für eine vernünftige Altersvorsorge – gleichwohl muss darüber hinaus noch mehr für das Rentenalter angespart werden, und dafür eignen sich dann auf jeden Fall auch Aktienfonds", bilanziert Hauer. Die Riester-Rente ist aber stets die erste und renditestarke Wahl. Damit lässt sich den zahlreichen Kritikern entgegnen: Und sie lohnt sich doch!

 

Hintergrund: Die Riester-Rente

Die Voraussetzungen

Zum geförderten Personenkreis gehören vor allem rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer und Beamte – sowie mittelbar auch deren Ehepartner. Bei allen Riester-Produkten ist der Beitragserhalt garantiert, die eingezahlten Gelder gehen also nicht verloren. Die Leistungen dürfen frühestens im Alter von 62 Jahren beginnen. Vorgeschrieben sind lebenslange Rentenleistungen, maximal 30 Prozent der angesparten Summe dürfen zu Rentenbeginn einmalig entnommen werden. Bei Arbeitslosigkeit sind Riester-Verträge Hartz- IV-sicher. Damit die Förderung aber auch fließt, muss sie beantragt werden.

Die Förderung
Die Riester-Förderung besteht aus zwei Teilen: Zum einen gibt es für den Sparer selbst sowie für seine kindergeldberechtigten Kinder Zulagen, die direkt vom Staat in den geförderten Vertrag eingezahlt werden. Zudem sind die Beiträge als Sonderausgaben von der Steuer absetzbar. Ist die Steuerersparnis höher als die Zulagen, erhalten Sparer die Differenz vom Fiskus zusätzlich erstattet. Die vollen Zulagen erhält aber nur, wer auch seinen Mindesteigenbeitrag leistet, sonst werden sie anteilig gekürzt. Riester-Renten sind dann später in voller Höhe mit dem persönlichen Steuersatz steuerpflichtig.

 

Die Produkte

Geriestert wird in den meisten Fällen mit Versicherungen. Aber auch Riester-Fonds, -Banksparpläne und Wohn-Riester sind im Angebot.

Szenario 1: Familie mit Kindern
Um die maximale Förderung zu erhalten, sparen die jeweils 35-jährigen Eltern zweier Kinder insgesamt 350 Euro brutto mit ihren Riester-Versicherungen an. Dank staatlicher Zulagen und Steuervorteilen kommen davon aber nur 245,81 Euro aus ihrer eigenen Tasche (Nettobeitrag). Würde dieser Nettobeitrag statt in der Riester-Police in einer privaten Rentenversicherung oder in Investmentfonds angelegt, würden die Sparer deutlich weniger Rendite erzielen. Um auf das Riester-Ergebnis zu gelangen, müssten die Fonds jährlich rund 1,4 Prozent mehr Ertrag abwerfen.

Szenario 2: Ehepaar ohne Kinder
Auch das kinderlose Ehepaar im Alter von jeweils 45 Jahren mit einem Gesamteinkommen von rund 80 000 Euro jährlich profitiert von der großzügigen Riester-Förderung. Denn über 90 Euro der monatlichen Ansparsumme übernimmt der Staat. In diesem Szenario ist der Riester-Vorteil bei den Nettorenditen sogar noch deutlich höher. Dabei werden natürlich immer nur Anlagen mit derselben Wertentwicklung ihrer Kapitalanlagen verglichen – also etwa klassische Riester-Policen mit klassischen Renten-Policen und mit Fonds bei jeweils 4,3 Prozent unterstellter Kapitalrendite.

Szenario 3: Geringverdiener mit Kind
Der alleinerziehende Single im Alter von 30 Jahren mit einem Kind verdient jährlich 30 000 Euro. Um die volle Zulage zu erhalten müssen 100 Euro monatlich in den Riester-Vertrag fließen. Davon braucht er aber nur 62,17 Euro aus seiner eigenen Tasche aufzubringen.
Auch in dieser Konstellation kann die Riester-Rente deutliche Renditevorteile vorweisen – wohlgemerkt nach Kosten und Steuern. Privatrente und Fondssparplan werden in der klassischen Variante um 0,57 beziehungsweise um 0,83 Prozentpunkte geschlagen, bei der anderen Variante noch deutlicher.

Szenario 4: Besserverdienender Single
Schließlich kann auch der 35-jährige Single mit 70 000 Euro jährlichem Einkommen von der Riester-Rente deutlich profitieren. Er erhält zwar nur die Grundzulage, aber dafür sind bei ihm die Steuervorteile erheblich. Um auf die gleiche Riester-Nettorendite zu kommen, müsste ein Fondssparplan 1,69 oder 1,76 Prozent mehr jährlichen Kapitalzuwachs bringen. Die Rentenzahlungen erfolgen darüber hinaus bei der Riester-Rente lebenslang, ganz egal, wie alt er wird. Bei den Fondslösungen mit Kapitalverzehr ist das Geld dagegen irgendwann aufgebraucht.

Quelle: Focus Money 13/2012

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