10.07.2012

Rente für Gutverdiener

München – Geht es nach Ursula von der Leyen, sind die Selbstständigen ab 2013 allesamt dran. Dann will die Bundesarbeitsministerin eine verpflichtende Altersvorsorge für sie einführen. Den Anbietern sogenannter Basis- oder „Rürup"-Renten könnte das mehr Umsatz bescheren. Denn die Policen – bekannt nach ihrem Erfinder, dem Ex-Wirtschaftsweisen Bert Rürup – sind vor allem für Selbstständige und Freiberufler gedacht. Sie bieten ihnen die Möglichkeit, staatlich gefördert zu sparen. Rund 1,6 Millionen Deutsche haben einen Rürup-Vertrag. Für das Anlagefahr 2012 allerdings sinken die Renditen der Policen zum Teil deutlich. Und in punkto Transparenz gibt es bei etlichen Versicherern noch „Luft nach oben". Das hat das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP). Das unabhängige Institut aus Altenstadt hat gut 120 Basisrenten-Tarife getestet. Vor allem bei klassischen Rürup-Rentenversicherungen schnitten dabei einige Tarife sehr gut ab (Tabelle). Daneben kann man mit Rürup-Renten auch in Fonds investieren – mit und ohne Beitragsgarantie. Eine Fondspolice ohne Garantie kann am Ende der Ansparphase jedoch zu Verlusten führen. Anders als bei der Riester-Rente muss der Versicherer eingezahlte Beiträge nicht garantieren. Die staatliche Förderung läuft in allen drei Fällen über die Steuerersparnis: Bei Alleinstehenden erkennt das Finanzamt jährliche Beiträge von bis zu 20 000 Euro an, bei Ehepaaren 40 000 Euro. Für 2012 lassen sich davon 74 Prozent als Sonderausgaben absetzen. Bis 2025 steigt der Anteil auf 100 Prozent. Von der Höhe der Steuerersparnis hängt auch ab, ob sich die Rürup-Rente für Sparer lohnt.

Der Test

Das IVFP hat alle drei Tarifarten untersucht. Für je acht Musterfälle bewertete das Institut die Rürup-Renten nach verschiedenen Kriterien. Dabei spielte die Rendite ebenso eine Rolle wie die Flexibilität der Verträge – also der Freiraum, den ein Versicherer dem Kunden etwa bei Zuzahlungen lässt. Überdies gehen Daten zur Verständlichkeit der Verträge und zum Versicherungsunternehmen und den Test ein. Bewertet werden die Policen mit Schulnoten.

Die Rendite

Schuld an den sinkenden Renditen der Rürup-Renten ist der geringere gesetzliche Garantiezins. Statt bei 2,25 liegt er nur noch bei 1,75 Prozent. „Am deutlichsten macht sich das bei klassischen Tarifen und Tarifen mit Beitragsgarantie bemerkbar", sagt IVFP-Geschäftsführer Frank Nobis. Auch die Überschussbeteiligungen gingen zurück. Das ist der Anteil, den die Versicherer über den Garantiezins hinaus erwirtschaften. Ein 45-jähriger, der bis zur Rente mit 65 Jahren 350 Euro monatlich einzahlt, erhält derzeit bei einem guten klassischen Rürup-Tarif nahezu denselben Beitrag als garantierte monatliche Rente: knapp 350 Euro. Mit Überschussbeteiligung sind es 620 Euro.

Der Steuerspareffekt

Grundsätzlich gilt bei Rürup: Wer viel verdient und viel Steuern zahlt, profitiert stärker. Das gilt umso mehr, je näher sich ein Sparer am Renditeneintritt befindet. Denn derzeit lassen sich Einzahlungen für die Rürup-Rente mit einem Anteil von 74 Prozent noch stärker von der Steuer absetzen als die Auszahlungen anschließend besteuert werden. Da gilt 2012 ein Anteil von 64 Prozent, der bis 2040 auf 100 Prozent steigt. Ein gut verdienender 58-Jähriger, der fünf Jahre 20 000 Euro einzahlt und dann in Rente geht, kommt so bei den Einzahlungen nach IVFP-Berechnungen auf eine Steuerersparnis von 31 000 Euro. Seine lebenslange jährliche Rente liegt netto bei rund 5000 Euro.

Es sind aber auch andere Fälle denkbar. Bei einemjungen, noch bescheiden verdienenden Sparer, der nach 2040 in Rente geht, kann der Steuereffekt auch negativ sein. Über die Einzahlungs- und Auszahlungsphase gesamt gesehen, ist die Rürup-Rente nicht zwingend ein „Steuersparmodell", sagt der unabhängige Versicherungsberater Georg Pitzl. Gut verdienende Ältere profitieren am ehesten.

Die Flexibilität

Selbstständige haben schwankende Einkommen. „Sie sollten daher bei den Beiträgen flexibel bleiben", sagt Frank Nobis. Er rät dazu, die monatliche Beitragshöhe beim Rürup-Vertrag nicht zu hoch zu wählen und lieber am Jahresende zusätzlich in den Vertrag einzuzahlen. Versicherungsberater Pitzl empfiehlt sogar grundsätzlich nur Verträge, bei denen man zu Beginn eine hohe Einzahlung leistet und in den nächsten Jahren nur über freiwillige Zuzahlungen spart. Versicherte sollten aber darauf achten, dass die Zuzahlung nicht zu viel kostet. Manche Versicherer, das zeigt der Test, zweigen dafür gut zehn Prozent an Gebühren ab.

Die Transparenz

Auch bei den steuerlich absetzbaren Beiträgen sollten Versicherte genau hinschauen. Wer etwa als Freiberufler 6000 Euro jährlich in ein berufsständiges Versorgungswerk einzahlt, kann bei seinem Rürup-Vertrag dann nur noch 14 000 Euro steuerlich geltend machen. „Man muss daher darauf achten, den Rürup-Vertrag nicht zu überzahlen", sagt Frank Nobis. Das kann steuerliche Nachteile haben. Längst nicht alle Versicherer jedoch machen auf diese Tatsache aufmerksam, berichtet Nobis: „Bei 40 Prozent aller Produkte gibt es dazu keinen Hinweis". Die Riester-Kunden müssten also selbst nachfragen.

Quelle: Andreas Jalsovec; Süddeutsche Zeitung vom 10.07.2012

Zurück